Gelungenes Jubiläumskonzert 2025

Sie haben ihre Zeit nicht geopfert, sie haben sie gewidmet“ – warm waren die Worte zum Schluss eines bewegenden und ergreifenden Musikabends im Schwetzinger Lutherhaus, die Lob, Anerkennung und Ansporn gleichermaßen sein sollten: der Kabarettist und Musiker Arnim Töpel hat damit zwei Stunden reines Musikprogramm gelobt und gleichzeitig dem Anlass Glanz, Größe und Ehre verliehen.
Die 35 Instrumentalisten des Musikvereins Stadtkapelle waren zum traditionellen Frühjahrskonzert auf die Bühne gekommen, aber auch zum Jubiläumskonzert, mit dem der Orchesterverein zusammen mit seinen vielen Fans, die den Gemeindebau bis auf den letzten Platz füllten, 150 Jahre Geschichte feierte und in Wort und Ton nacherlebbar gemacht hat.
Die „Musikalische Zeitreise“ präsentierte vom Start mit dem Gründungsjahr der Stadtkapelle 1875 vom Wiener Komponisten Johann Strauss (Sohn) veröffentlichten „Auf der Jagd“ op. 373 bis zum zeitgenössischen „Arsenal“ Konzertmarsch des belgischen Blasmusik-Komponisten Jan van der Roost ein historisch korrekt ablaufendes, spannendes und vielseitiges Programm, das die Breite des Repertoires unter Beweis stellte.
Unter der Leitung Pascal Morgensterns, der 2022 den Stab beim Musikverein übernommen hatte, gab es Klänge der 1920er, als Beispiel für Unterhaltungsmusik aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte eine Skizze Hans Bunds (Trompetensolo: Andrew Phelps), die von Harold L. Waters arrangierte Sammlung „Hootenanny“ mit Ohrwürmern der Jazz- und Swing-Ära zwischen „Lonesome Road“ und „Chicken Reel“, aber auch eine Interpretation des Garland-Standards „In the Mood“ (Sax-Soli: Manfred Hildebrand und Oskar Jankowski),mit dem die Glenn- Miller-Zeit der Big-Bands Wiederauferstehung feierte. Spätestens ab hier war das Eis durch Wiedererkennungseffekte gebrochen: Leise hörte man allenthalben im Publikum die begeisterten Zuhörer ihre Musikerinnerungen mitsummen, was sich mit einem grandios umgesetzten, von Manfred Schneider unter dem Pseudonym Steve McMillan arrangierten James-Last-Potpourri zu miterlebter Nostalgie Bahn brach.
Glanzstück des Abends war fraglich ein Doppelpack aus dem in der Blasmusik bestens bekannten „Moment for Morricone“ der niederländischen Komponistenlegende Johan de Meij und „Imagasy“, mit dem der heute 40-jährige Komponist Thiemo Kraas vor über 20 Jahren beim Schülerwettbewerb „Jugend komponiert NRW“ abräumen konnte.
Die perfekt auf Bläser ausgerichtete Variante der Urmusik des Italo-Western präsentierte die Stadtkapelle in den tänzelnden Passagen beschwingt und trittsicher, in den für Morricone so typisch breit ausinstrumentierten Sektionen mit Esprit und Durchzugskraft, in der Morgensterns Instrumentalisten genüsslich jede Harmonie ausspielten. Die Kapelle intonierte mit einer lupenreinen Präzision, schien sich in jedem Rhythmus und jeder Dramaturgiestufe zu Hause zu fühlen – ein Hoch auf die sichere Hand, die Nuancen aus dem Klangkörper herauszukitzeln verstand.
Kraas‘ Ode auf die Fantasie besticht durch einen vielschichtigen Klang, der gleichzeitig aber gefällig und geordnet harmonisch bleibt – ein Leckerbissen für die Musiker, die sich in den klangmalerischen Elementen ausleben, in den eingängigen Motiven und Tonlinien die eigene Liebe zum vollen, bezaubernden Klang zelebrieren konnten, wobei sie wie an keiner anderen Stelle dieses Konzerts Dynamik, Dramatik und Rhythmik so perfekt austariert präsentieren konnten: Ein Genuss für die Zuhörer, die von den Brüchen, die von miteinander korrespondierenden Themen verklammert wurden, spürbar angetan waren.
Perfekt auf das insgesamt lebenslustige Konzert abgestimmt war Arnim Töpels humorvoll lehrreiches Begleitprogramm: Der Entertainer hat die historischen Einordnungen verdaulich und gleichzeitig sehr berührend erledigt, er hat mit „Mir sin vun do“ oder einem „Kurpälzer Indianer“ für viele Lacher gesorgt und klar gemacht: „Mir Kurpälzer sin Ramontiger“.
Gänsehautfeeling gab es vom Mann mit der kuschelweichen Stimme ebenfalls: Mit einer eigenen Hymne für den Musikverein hat er das Geheimnis „In der Stadtkapell“ gelüftet: „Jetzt, was is des Geheimnis, was is des System? Des is net nur Musisch, des is ä bissl a dahäm“.singt`s und lässt den tosenden Applaus auf die Musiker als Respektsbekundung für die vielen Jahre als Teil der Schwetzinger Kulturgeschichte branden.
So wurde es ein spannender, ein hochkarätiger, ein lustiger und ein würdevoller Musikabend, mit dem die Stadtkapelle ihr 150-jähriges Jubiläum fortgeführt hat, nachdem beim Festakt im Februar im Schloss schon die zahlen und Fakten ins Licht gerückt wurden.
Zu jedem Anlass wird die Stadtkapelle nicht nur musikalischen Glanz, sondern auch historische Größe zeigen. „Macht Musik, das ist ein Wunder“, rief Töpel ins Volk, das sich- was gar keine Selbstverständlichkeit mehr ist in Tagen wie diesen-zusammen mit dem Jubiläumsverein zum „Badner Lied“ in einem mitreisenden Bekenntnis zur Heimat und ihrer Geschichte zusammengetan hat, um zu feiern, was war- und das, was kommt.


































































































