Musik verbindet Schwetzingen und Lunéville

Stadtkapelle Schwetzingen begeistert im Théâtre de Lunéville mit französischen Chansons, Musicalmelodien und Blasmusik – stehende Ovationen für das Orchester
Lunéville/Schwetzingen. „Bonsoir Lunéville!“ Mit diesen Worten begrüßte die Stadtkapelle Schwetzingen am Sonntagabend ihr Publikum im Théâtre de Lunéville. Was am Morgen mit der Busfahrt von Schwetzingen in die französische Partnerstadt begonnen hatte, mündete am Abend in einen besonderen musikalischen Höhepunkt der Städtepartnerschaft. Unter der Leitung von Pascal Morgenstern präsentierte das Orchester ein abwechslungsreiches Konzert und brachte ein Stück Schwetzingen nach Lunéville.
Dass bei einer Konzertfahrt nicht nur Musikerinnen und Musiker, sondern auch Instrumente und Noten sicher ans Ziel gelangen müssen, nahm die Moderator Manfred Hildebrand mit einem Augenzwinkern auf. Doch hinter der humorvollen Begrüßung stand ein ernster Gedanke: Die Städtepartnerschaft zwischen Schwetzingen und Lunéville lebt von persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen. „Und was verbindet Menschen besser als Musik?“, lautete die passende Frage des Abends.
Eine besondere Würdigung galt Marie Viroux. Ihr jahrzehntelanges Engagement für die deutsch-französische Städtepartnerschaft wurde im Rahmen des Konzerts ausdrücklich hervorgehoben. Ihr zu Ehren spielte die Stadtkapelle und würdigte damit ihren großen persönlichen Beitrag zur Freundschaft zwischen beiden Städten.
Musikalisch spannte das Konzert einen weiten Bogen. Den offiziellen Auftakt bildeten die Nationalhymnen Deutschlands und Frankreichs. Anschließend eröffnete „Palladio“ von Karl Jenkins das eigentliche Konzertprogramm. Kraftvolle, klar gegliederte Musik bildete den Auftakt zu einer Reise durch unterschiedliche musikalische Stilrichtungen und Länder.
Mit dem Konzertmarsch „Hoch Heidecksburg“ von Rudolf Herzer folgte ein Klassiker der Blasmusik. Danach wurde es französisch: „La Môme Piaf“ erinnerte an Edith Piaf und ihre unverwechselbare musikalische Welt. Gerade an diesem Abend in Frankreich erhielt das Werk eine besondere Bedeutung.
Mit „Les Misérables“ wurde es anschließend dramatisch und groß. Die Musik des weltbekannten Musicals, dessen Geschichte auf Victor Hugos Roman basiert, brachte große Gefühle und bekannte Melodien ins Théâtre de Lunéville.
Für einen humorvollen Kontrast sorgte die „Archivisten-Polka“ von Markus Nimmervoll. Anschließend führte „Concerto d’amore“ von Jacob de Haan noch einmal nach Italien. Barocke Elemente, Pop und Jazz verbinden sich darin zu einem abwechslungsreichen Werk, das zugleich hervorragend zum Leitgedanken des Abends passte: Freundschaft und Begegnung.
Nach dem offiziellen Programm bedankte sich die Stadtkapelle für den herzlichen Empfang und die hervorragende Organisation vor Ort. Ein besonderer Dank galt der Stadt Lunéville und dem Théâtre de Lunéville für die professionelle Begleitung des Konzertabends, ebenso der Stadt Schwetzingen für die Unterstützung.
Dass Musik Grenzen überwinden kann, wurde an diesem Abend unmittelbar erlebbar. Man muss nicht immer dieselbe Sprache sprechen, um sich zu verstehen – Musik schafft ihre eigene Verbindung.
Der musikalische Abend sollte jedoch noch nicht zu Ende sein. Das Publikum bedankte sich für das Konzert mit stehenden Ovationen und machte deutlich, dass es die Musikerinnen und Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne lassen wollte. Die Stadtkapelle kam diesem Wunsch gerne nach.
Bei „Tuba-Muckl“ rückte zunächst das tiefe Blech in den Mittelpunkt. Das Stück wurde Jacques Lamblin gewidmet, der bei einem früheren Besuch einer Lunéviller Delegation in Schwetzingen bei einem Tuba-Schätzspiel die exakte Strecke des Tons vom Mundstück bis zum Schalltrichter erraten hatte. Als Solist war Markus Schwald zu hören.
Zum großen Finale durfte schließlich ein Klassiker nicht fehlen: Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ mit dem berühmten Can-Can. Tempo, Energie und französische Lebensfreude sorgten für einen schwungvollen Abschluss, der das Publikum ein weiteres Mal begeisterte.
Doch der deutsch-französische Austausch ging auch nach dem Konzert weiter. Im Anschluss waren die Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle zu einem Empfang eingeladen. In entspannter Atmosphäre wurde gemeinsam gefeiert, gesprochen und auf die gelungene Begegnung angestoßen. Musikerinnen und Musiker, Vertreterinnen und Vertreter der Städte sowie Freunde der Städtepartnerschaft nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass eine Städtepartnerschaft vor allem durch die Menschen lebt, die sie mit Leben füllen.
Für eine besondere Überraschung sorgte die Stadtkapelle selbst: Sie übergab historische Filmaufnahmen aus dem Jahr 1966 an die französischen Freunde. Die Aufnahmen dokumentieren den ersten Besuch der Stadtkapelle Schwetzingen in Lunéville und schlagen damit eine bemerkenswerte Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. 60 Jahre nach diesem ersten musikalischen Besuch kehrte die Stadtkapelle nun erneut nach Lunéville zurück.
Die historischen Bilder erinnern daran, dass die Verbindung zwischen beiden Städten auf einer langen Geschichte persönlicher Begegnungen beruht. Was 1966 mit dem ersten Besuch der Stadtkapelle begann, wird heute von einer neuen Generation von Musikerinnen und Musikern weitergetragen.
Mit dem letzten Ton und dem anschließenden Empfang endete damit ein Konzerttag, der weit mehr war als ein musikalischer Auftritt. Die Stadtkapelle brachte ein Stück Schwetzingen nach Lunéville – und nahm im Gegenzug viele persönliche Begegnungen, herzliche Gespräche und gemeinsame Erinnerungen mit nach Hause.
Damit wurde im Théâtre de Lunéville eindrucksvoll deutlich, was eine lebendige Städtepartnerschaft ausmacht: Freundschaft, Begegnung und gemeinsame Erlebnisse. Und an diesem Abend gehörte die Musik ganz selbstverständlich dazu.




















