Stadtkapelle Schwetzingen begeistert mit musikalischer Vielfalt beim Frühjahrskonzert

Das 42. Frühjahrskonzert der Stadtkapelle Schwetzingen bot unter der Leitung von Pascal Morgenstern ein abwechslungsreiches Programm von modernen Märschen bis hin zu zauberhaften Musicalmelodien.
Schwetzinger Zeitung 23.3.2026 verfasst von Marco Montalbano
Schwetzingen. Beim 42. Frühjahrskonzert der Stadtkapelle Schwetzingen am Sonntagabend blieben für Fans der hochwertigen Blasmusik kaum Wünsche offen. Denn der Dirigent und musikalische Leiter Pascal Morgenstern hatte bei der Auswahl der Stücke ein gutes Händchen bewiesen. Zu hören bekam das Publikum einen besonders weit gefächerten Klang-Strauss, gefüllt mit Werken von deutschen und nicht-deutschen Komponisten, darunter auch eine Dame. Das Orchester entführte die Anwesenden lustvoll musikalisch vom Bodensee bis hin zu dem Nordwesten der USA und in die magische Welt von Oz.
Konzertmarsch der Stadtkapelle Schwetzingen
Los ging es schwungvoll um 17 Uhr mit dem modernen Konzertmarsch „Opening“ von Ernst Hoffmann, gefolgt von „Dream“ für Blasorchester und Percussion der jungen österreichischen Komponistin Dana Schraml. Gern schien das Publikum in die traumhafte Welt voller Optimismus, Freude und Mut der gerade mal 27. Jahre alten Steyrerin einzutauchen, auch aufgrund der meisterhaften Interpretation der Stadtkapelle. Sodann wurde es bombastisch. Viele werden noch den Hollywood-Blockbuster „Crimson Tide“ aus dem Jahr 1995 kennen. Filmmusik-Legende Hans Zimmer schrieb den Soundtrack dazu und schuf damit eine seiner sicher bedeutendsten Filmmusiken. Die Stücke „Roll Tide“ und „Eternal Father Strong To Save“ im Arrangement von Erik Rozendom daraus begeisterten hör- und sichtbar.
Das Orchester entführte sodann an den Beginn des letzten Jahrhunderts mit den drei verbundenen Sätzen der „First Suite in Es op. 28 No. 1“ des Briten Gustav Holst – ein Werk, das als bahnbrechend für die moderne konzertante Blasmusik gilt. Mit starkem Volksliedcharakter überzeugte es durch seinen besonders vollen Klang. An den Bodensee, genauer in das Örtchen Salem, ging es durch den Konzertmarsch „Salemonia“, mit dem Komponist Kurt Gäble aus Memmingen im Jahr 2006 dem bekannten Städtchen ein festlich klingendes Denkmal setzte.
Besondere Highlights in Schwetzingen
Ein tolles Highlight des Konzerts stellte sicherlich das Stück „Eskapaden“ von dem aus Karlsruhe stammenden Thorsten Reinau dar. Solist Manfred Hildebrand konnte dabei sein Talent an der kompakten Es-Klarinette zeigen und erntete dadurch intensiven Applaus. Kein Wunder, schrieb ihm der Komponist die anspruchsvolle Polka doch, laut dessen Aussage, „praktisch auf den Leib“.
Mit mehreren Stücken aus dem Musical „Wicked“ aus der Feder von Stephen Schwartz in einem Arrangement von Jay Bocook tauchte der Saal in die zauberhafte Welt von Oz ein, die hier allerdings gar nicht so unschuldig daherkommt. Denn das Musical entstand nach der Buchvorlage von Autor Gregory Maguire als Fantasy-Erwachsenenroman, in dem es schonungslos gesellschaftskritisch zugeht, Themen wie Rassismus und Propaganda aufgegriffen werden und aufgezeigt wird, dass gut oder böse oft einfach eine Frage des Standpunkts ist, wie auch Morgenstern betonte. Am (vorläufigen) Ende des Konzerts ging es, wie der Dirigent launig meinte,„ganz ohne Flugzeug“ in den Nordwesten der USA. Denn auf dem Programm stand „Oregon“ des niederländischen Komponisten Jacob de Haan und damit eine abenteuerliche Zugfahrt, Begegnungen mit Cowboys, Indianern und Anklängen an Filmmusik inklusive. Mehrere Zugaben folgten, so auch das Badnerlied, zu dem alle im Publikum aufstanden und bei dem kräftig mitgesungen wurde.
Stadtkapellen-Vorstand Simon Abraham dankt dem Dirigenten und Solisten
Stadtkapellen-Vorstand Simon Abraham bedankte sich beim Dirigenten und dem Solisten mit Geschenken und betonte: „Heute Abend haben wir auch Gäste aus Österreich und aus vielen Teilen Deutschlands. Das ist ein großes Kompliment für uns.“ Der Vereinstradition folgend, freute er sich, an diesem Abend die Ehrennadel an gleich sieben neue Mitglieder überreichen zu können. Vergeben werde sie, sobald die Neuen an ihrem ersten Frühjahrskonzert teilgenommen hätten.
Zuschauerin Monika Westergom aus Karlsruhe kommentierte: „Ein großartiges Konzert auf hohem musikalischen Niveau und mit einer Vielfalt, die mich beeindruckt hat.“ Pascal Morgenstern verriet: „Es waren viele Stücke, die mich lange begleitet haben. Auch so manches, das man nicht so oft hört weil es gerade nicht ‚en vogue‘ ist. Wir haben ein tolles und treues Publikum, was ich toll finde.“ Er ergänzte: „Mir war wichtig, dass wir mal etwas von weiblichen Komponisten spielen. Und großartig ist, dass wir echte Juwelen in unseren eigenen Reihen haben, so wie Solist Manfred Hildebrand.“
Fotos: Jonas Lenz